7 Tipps, wie gutes Zuhören besser gelingt

7 Tipps, wie gutes Zuhören besser gelingt

"Unser größtes Kommunikationsproblem ist, dass wir nicht zuhören, um zu verstehen, sondern um zu antworten."

 Ein, wie ich finde, sehr zutreffendes Zitat von einem mir unbekannten Verfasser. Es hat mich inspiriert, diesen Artikel zu schreiben und ein paar Tipps, wie gutes Zuhören besser gelingt, festzuhalten.

Ich denke, jeder von uns kennt das: Das Gegenüber redet und dabei formuliert man im Kopf schon die Antwort. Im schlimmsten Fall unterbricht man den Anderen vor lauter Ungeduld – vom Zuhören ist man weit entfernt! Das Traurige dabei ist, dass die Botschaft des Anderen bei uns dann meist gar nicht ankommt - Konflikte sind vorprogrammiert. Auch nimmt man sich durch diese Haltung die Möglichkeit, vom Gegenüber etwas Spannendes oder Neues zu erfahren - ihn näher kennenzulernen.

In der Mediation ist Zuhören ein ganz wichtiger Aspekt - sowohl für den Mediator als auch für die am Streit Beteiligten. Durch das intensive und konzentrierte Zuhören wird hier ein aufeinander Zugehen und das Finden einer Lösung erst möglich. Zuhören ist dabei sozusagen der „Türöffner“. Als Mediatorin erlebe ich es oft, dass Menschen ihre mühsam aufgebauten Mauern des Schweigens oder Kontragebens aufgeben, nur weil ihnen das Gegenüber endlich einmal zuhört. Wir kennen das Gefühl selbst – wie schön und wohltuend ist es, wenn einem das Gegenüber wirklich zuhört, einem förmlich an den Lippen klebt, wenn man merkt, dem Anderen ist es wichtig, mich zu verstehen? Ich finde, wir sollten uns viel öfter richtig zuhören! Nicht umsonst lautet ein Zitat des ehemaligen US-Außenministers Dean Rusk „Am besten überzeugt man mit den Ohren – indem man anderen zuhört.“

Probieren Sie doch im Alltag einfach mal meine kleinen, einfachen Tipps für besseres Zuhören aus. Ich finde, es hilft, sich manchmal in Erinnerung zu rufen, wie richtiges Zuhören funktioniert. Auch hier gilt: Übung macht den Meister! 

  1. Unterbrechen Sie den Anderen nicht und nehmen Sie seine Botschaft einfach mal ohne Dazwischenreden auf. Verkneifen Sie sich bitte auch, zu dem Thema passende Geschichten aus dem eigenen Leben einzuwerfen, so reizvoll dies auch ist – es geht gerade nur um den Anderen und das, was er zu erzählen hat! 
  2. Signalisieren Sie Ihrem Gegenüber, dass es sich wirklich öffnen kann, indem Sie Blickkontakt halten und mit der Körperhaltung Offenheit signalisieren. Wenden Sie sich dem Anderen zu und verschränken Sie nicht die Arme oder Beine - dies würde nämlich Verschlossenheit signalisieren. Versuchen Sie bitte mit der Aufmerksamkeit beim Gesprächspartner zu bleiben und sich nicht von den Dingen ablenken zu lassen, die um Sie herum passieren. Der Blick auf das Handy oder in den Fernseher ist hier natürlich ein absolutes Tabu! Kurzes Zustimmen und gelegentliches Nicken signalisieren dem Anderen, dass sie seinen Worten folgen. 
  3. Bleiben Sie neugierig und konzentrieren Sie sich wirklich auf die Worte des Gegenübers. Bitte fällen Sie keine vorschnellen Urteile, um dann gelangweilt abzuschalten und bitte erteilen Sie keine übereilten Belehrungen! Versuchen Sie wirklich, Ihren Gesprächspartner zu verstehen und mit den Gedanken bei ihm zu bleiben und dann erst zu reagieren! 
  4. Formulieren Sie auch bitte nicht schon die Antwort im Kopf vor – es geht zu diesem Zeitpunkt wirklich nur ums Verstehen, Zuhören und nicht schon ums Antworten. Indem wir uns auf das Antworten und nicht auf das Zuhören konzentrieren, entgeht uns vieles von dem, was der Andere uns mitteilen möchte – weder auf die Worte, noch auf die Körpersprache und Betonung können wir uns dann noch konzentrieren. 
  5. Nehmen Sie sich bewusst Zeit zum Zuhören und ganz wichtig: Entspannen Sie sich! Diesen Aspekt finde ich auch ganz wichtig, da Eile, Hetze und Ungeduld meiner Ansicht nach große Feinde vom wirklichen Zuhören sind. 
  6. Fragen Sie interessiert nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben oder wenn Ihnen noch Fakten zum wirklichen Verstehen fehlen – nur so ist es möglich, Missverstände und Konflikte zu vermeiden. 
  7. Überprüfen Sie, ob Sie das Gesagte richtig verstanden haben! Eine Methode, die in der Mediation sehr oft angewandt wird, aber auch im Alltagsgespräch hilft, ist das sogenannte Paraphrasieren: Wiederholen Sie die Botschaft Ihres Gegenübers in eigenen Worten so, wie sie bei Ihnen angekommen ist und versichern Sie sich, ob das Gesagte wirklich so gemeint war. Geeignete Einstiege hierfür wären z.B. : „Habe ich Dich richtig verstanden, dass...?“ oder „Ist es also so, dass....“ oder Ähnliches. Wenn man den Gesprächspartner richtig verstanden hat, so kann er dies bestätigen, wenn nicht, hat er die Möglichkeit der Klarstellung. So entstehen Missverständnisse erst gar nicht. Auf diese Weise kann bereits das Entstehen von Konflikten vermieden werden.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Zuhören! Ich freue mich sehr auf Ihre Kommentare unter diesem Beitrag :-) !

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Kommentare (8)

  1. Ursula Wiesner:
    Sep 09, 2015 at 08:30 PM

    Liebe Christina,
    da beschreibst Du etwas, was uns wirklich alltäglich begegnet. Zuhören können (oder wollen) die wenigsten Gesprächspartner. Uns Saarländern sagt man ja nach, dass wir den sogen. "Stichwortdialog" bevorzugen ;). Wir reagieren sofort auf Stichworte des anderen, zu denen wir eigene Geschichten erzählen und der andere macht es genauso. So hüpft man von Thema zu Thema ohne etwas zu vertiefen. Dabei ist Zuhören auch ein echtes Zeichen von Interesse dem anderen gegenüber. Nur so kann man sein Gegenüber auch kennenlernen. Und noch einen Aspekt finde ich überlegenswert . Wenn ich selbst keine Lust habe, von mir viel zu erzählen, kann ich ja dem anderen aktiv Zuhören und Rückfragen stellen. So sind wir in jedem Fall bei dem anderen :). Aber immer echt/authentisch bleiben, das ist wichtig!
    viele Grüße Ursula

  2. Christina Wenz:
    Sep 10, 2015 at 05:04 PM

    Liebe Ursula, ich habe mich riesig über Deinen Kommentar gefreut - er war der erste Kommentar unter einem Artikel auf meinem Blog, also etwas ganz Besonderes! :-) Ich wußte ja gar nicht, dass man Euch Saarländern so etwas vorwirft, das ist ja spannend! Ich finde, das folgende Zitat passt sehr gut zu dem Thema: "Wenn du sprichst, wiederholst Du nur, was du eh schon weißt; wenn du zuhörst, kannst Du unter Umständen etwas Neues lernen. " Dalai Lama
    Ich sende Dir ganz liebe Grüße zurück, Christina

  3. Andrea:
    Jan 16, 2016 at 12:41 PM

    Liebe Christina, das ist ein sehr interessanter und hilfreicher Blog-Artikel. Und er erinnert mich mal wieder, etwas zu entschleunigen, damit das Hinhören ???? auch gelingt.
    Lieben Gruß, Andrea

  4. Christina Wenz:
    Jan 16, 2016 at 12:44 PM

    Liebe Andrea, oh wie schön, das freut mich sehr! Vielen Dank für die tolle Rückmeldung! :-) Liebe Grüße, Christina

  5. Axel:
    Jan 17, 2016 at 07:13 AM

    Liebe Christina,

    wie wahr! Was uns vielleicht noch im Privaten gelingt, ist im beruflichen Alltag immens schwierig. Alles muss schnell gehen. Gespräche sind terminiert, eng getaktet. Wir leben ja in der Vorstellung, dass wenn ich als Chef meinen Mitarbeitern entspannt zuhöre, ich mich dem Verdacht aussetze, nichts besseres zu tun haben. Und dieser Verdacht ist sogar richtig. Nur leider negativ besetzt.
    Dein Artikel bringt mich dazu, mir dieses Dilemma mal wieder bewusst zu machen und es aktiv aufzulösen.
    Vielen Dank dafür.

    Herzliche Grüße
    Axel

  6. Christina Wenz:
    Jan 17, 2016 at 10:17 AM

    Lieber Axel, herzlichen Dank für Deinen Kommentar! Ich habe mich sehr darüber gefreut! Du sprichst etwas sehr Wahres an: Sowohl privat als auch beruflich fehlt vielen von uns oft die Zeit zum Zuhören. Ich denke auch, wir sollten uns bewusst dafür Zeit nehmen...Und was könnte ein Chef sinnvolleres tun als seinen Mitarbeitern zuzuhören :-)! Herzliche Grüße, Christina

  7. Demir:
    Apr 05, 2016 at 11:42 AM

    Hallo Christina,

    vielen Dank für die hilfreichen Worte.
    So logisch diese Worte auch sind, so oft muss ich sie auch immer wieder in den Sinn rufen :-)
    Eine Frage habe ich noch zur "Umsetzung":

    Schickt es sich, das Gesagte zu überprüfen ( Punkt 7 ), obwohl das auch als "Unterbrechung" (Punkt 1 ) empfunden werden kann / könnte?

    Ich freue mich, von Dir zu lesen.

    Viele Grüße

    Demir

  8. Christina Wenz :
    Apr 05, 2016 at 12:02 PM

    Hallo Demir, herzlichen Dank für Deinen Kommentar und die Frage, ich habe mich sehr darüber gefreut! Meiner Ansicht nach, sollte auch der Zeitpunkt für das "Überprüfen" gut gewählt werden und man sollte auch hier den Anderen ausreden lassen. Aber wenn das Gegenüber ausgesprochen hat und ich dann nachfrage gebe ich ihm oder ihr durch Nachfragen auf jeden Fall das gute Gefühl, dass ich das Gesagt verstehen will. Viele Grüße, Christina


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Wer schreibt hier?

Mediation Christina Wenz

Christina Wenz ist Mediatorin, Konfliktcoach und Juristin. Nach langjähriger Tätigkeit im Notariat und in Führungspositionen an Universitäten ist sie in eigener Mediationskanzlei tätig. Sie hilft ihren Kunden dabei, sich aus schwierigen Konfliktsituationen zu befreien und damit wieder mehr Wohlbefinden und ein entspannteres Leben zu erlangen. Neben Mediation in der Familie und der Mediation in der Arbeitswelt ist ihr besonderes Steckenpferd die Mediation bei Streitfällen rund ums Tier.

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