Teil 1 - Mediation: Bei emotionalem Stress gut für sich sorgen

Teil 1 - Mediation: Bei emotionalem Stress gut für sich sorgen

Streit der kann der Gesundheit schaden
Über das Auflösen von Konflikten mit dem Verfahren der Mediation

Gemeinsam mit meiner Kollegin Sabine Kauss aus Heidelberg habe ich den folgenden Artikel geschrieben. Sabine arbeitet als Rechtsanwältin und Mediatorin. Sie hat - genau wie ich - ihre Ausbildung am Heidelberger Institut für Mediation und der Universität Heidelberg absolviert. Wir arbeiten sehr oft in Co-Mediation zusammen. Nähere Informationen zu Sabine finden Sie unter: http://www.anwaltskanzlei-kauss.de

Mit unserem gemeinsamen Artikel möchten wir aufzeigen, welche Auswirkungen Konflikte auf uns haben, wie Mediation funktioniert und wie vielfältig die Anwendungsgebiete sind. Der Artikel besteht aus zwei Teilen. Lesen Sie im Folgenden den ersten Teil:

Streit und Konflikte führen bei Betroffenen häufig zu Kopf- und Magenschmerzen, Schlafstörungen oder Erschöpfungszuständen.  Der Gang zum Gericht kann schließlich als letzter Ausweg erscheinen. Die lange Dauer der Gerichtsverfahren verhindert jedoch den Eintritt einer schnellen Erleichterung von den Stresssymptomen. Oft wird durch die gerichtliche Auseinandersetzung über die Anwälte die Belastung sogar noch verstärkt. Ein altes und in den letzten Jahren neu belebtes Verfahren könnte Konflikte schneller und günstiger Lösen: das außergerichtliche Verfahren der Mediation.

Mediation kann bei allen Arten von Konflikten eingesetzt werden. Wie Mediation funktioniert, sollen drei Beispiele aus unterschiedlichen Lebenssituationen zeigen:

 

Familienpower neu aktiviert

Das  Ehepaar Gerhard (83 Jahre) und Irmtraud (76) ist seit 55 Jahren verheiratet und hat gemeinsam drei Söhne und eine Tochter großgezogen. Gerhard fällt seit einiger Zeit auf, dass Irmtraud Wörter zu vergessen scheint. Er bemerkt auch, dass sie vergisst, Türen zu schließen oder manchmal nicht mehr weiß, welche Zutaten sie zum Kochen braucht. Als Irmtraud beginnt, ihm immer die gleichen Geschichten zu erzählen, spricht er sie darauf an und sie beschließen, einen Arzt zu konsultieren. Die Diagnose erschüttert beide sehr: Irmtraud leidet an einer Demenzerkrankung. Gerhard engagiert eine Putzhilfe und erledigt alle Einkäufe. Als Irmtraud vergisst, sich morgens anzuziehen, hilft er ihr, sich zu waschen und anzuziehen. Eines Tages verlässt Irmtraud das Haus und findet nicht mehr zurück nach Hause. Gerhard findet sie schließlich auf einer Bank am Ortsrand.

Die Angst um Irmtraud und die tägliche Pflege und Betreuung belasten Gerhard sehr. Er fühlt sich der Situation nicht mehr gewachsen und schläft seit Wochen schlecht. Sein Brustkorb fühlt sich eng an und schmerzt ständig. Schließlich wendet sich Gerhard hilfesuchend an die vier Kinder. Diese wohnen alle nicht im gleichen Ort, sind berufstätig und haben ihre Familien zu versorgen. Sie wollen die Eltern unterstützen und geraten dabei in Streit miteinander. Jeder meint, dass die Anderen mehr tun könnten. Zwei der Söhne reden schließlich nicht mehr mit den anderen beiden.

Der Streit unter den Kindern belastet Gerhard noch zusätzlich. Von einer Bekannten bekommt er die Empfehlung, gemeinsam mit den Kindern und Irmtraud eine Familienmediation zu versuchen. Gerhard berichtet hiervon den Kindern und ein Sohn findet zwei Mediatoren, welche mit allen ein erstes Informationsgespräch führen. Die Familie beschließt, die Mediation zu versuchen. In der ersten Sitzung besprechen sie, wie sie miteinander umgehen wollen in der Mediation. Sie sammeln die Themen, für welche sie eine Lösung brauchen: Irmtrauds Pflege und Betreuung, Entlastung für  Gerhard, die Finanzierung der Pflege.

In der zweiten Sitzung beginnen sie mit dem drängendsten Anliegen, der Betreuung und Pflege von Irmtraud. Alle schildern ihre persönliche Situation, ihre Wünsche und Ängste bei diesem Thema. Die Mediatoren hören zu, fragen nach und überprüfen, ob sie jeden richtig verstanden haben. Die Familienmitglieder beginnen, die Schwierigkeiten und  Bedürfnisse der anderen zu verstehen. Es wird deutlich, dass alle helfen wollen und sowohl eine straffe Zeitplanung als auch eine externe Pflegekraft notwendig ist. Sie vereinbaren, notwendige Informationen über die Kosten einer externen Pflege einzuholen. Auch rechtliche Informationen über die Voraussetzungen einer Betreuung für Irmtraud sollen in die Mediation eingebracht werden.

Schließlich ist eine Vereinbarung für das Thema Pflege und Betreuung zustande gekommen: Ein Sohn ist bereit, jeden Samstag mit Gerhard zusammen die Einkäufe für die Woche zu übernehmen. Er wird sich auch gerichtlich zum Betreuer von Irmtraud bestellen lassen. Ein anderer bietet an, die Eltern zu den Arztterminen zu begleiten. Die Tochter, welche am weitesten entfernt wohnt, würde ein bis zweimal im Monat für die Eltern vorkochen und das Essen portionsweise einfrieren. Der jüngste Sohn will jeden Monat ein Wochenende bei den Eltern verbringen und einen finanziellen Beitrag zu den Kosten leisten. Eine externe Pflegekraft wird zunächst täglich zweimal kommen, um Irmtraud zu waschen und anzuziehen bzw. auszuziehen.

Das nächste Thema kann begonnen werden.

Bereits nach der zweiten Mediationssitzung kann Gerhard wieder besser schlafen, das Druckgefühl in seiner Brust ist verschwunden. Er fühlt sich nicht mehr allein mit der Situation und weiß, dass die Kinder ihn unterstützen werden. Auch Irmtraud wird ruhiger und lächelt wieder häufiger. Die zunehmende Anspannung hat sie verunsichert und geängstigt. Sie fühlt sich wieder geborgen und umsorgt.

Der Familie gelingt es, in vier Sitzungen mit den Mediatoren eine abschließende Vereinbarung zu finden, welche die Lösungen für alle Anliegen enthält, die sie in die Mediation gebracht haben. Der Streit zwischen den Geschwistern ist beigelegt, die Pflege und Betreuung von Irmtraud organisiert und die Finanzierung geklärt. Die Kosten der Mediation teilen sich alle, sodass für jeden ein erschwinglicher Betrag zu zahlen bleibt.

 

Was genau ist Mediation?

Mediation ist ein Verfahren, in dem die Beteiligten selbst passende Lösungen für ihre Auseinandersetzungen vereinbaren können. Dabei werden sie von einem oder mehreren neutralen Mediatoren angeleitet und unterstützt.

 

Was genau macht der Mediator?

Der Mediator hört allen Beteiligten zu und fragt nach, bis er ihr Anliegen komplett verstanden hat. Er sammelt mit ihnen alle Informationen, die sie für ihre Entscheidung benötigen und hilft ihnen herauszufinden, welche Bedürfnisse sie bei jedem der Anliegen haben. Ohne eine Lösung vorzugeben, unterstützt er die Beteiligten dabei, die zu ihrer Situation  passenden Vereinbarungen zu treffen.

 

Bei welchen Streitfällen ist Mediation möglich?

Grundsätzlich bei allen Streitfällen - wichtige Voraussetzung ist die Bereitschaft aller Beteiligten, sich zusammenzusetzen und eine Lösung zu entwickeln, mit der alle zufrieden sind. Typische Beispiele aus dem Bereich des Privatlebens sind die Mediation beim Streit ums Erbe, mit dem Nachbarn und im Rahmen einer Scheidung. Aber auch im Arbeitsleben kommt Mediation vielfältig zum Einsatz – etwa bei Konflikten unter Arbeitskollegen, Streit in der Vorstandsetage und der Regelung der Unternehmensnachfolge. Mediation wird auch bei öffentlichen Konflikten und bei Konflikten zwischen Staaten eingesetzt.

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um eine Mediation zu beginnen?

Wenn eine Auseinandersetzung als sehr belastend empfunden wird, die Fronten verhärtet sind und man ohne Hilfe von Außen nicht mehr weiterkommt, ist es sinnvoll, Mediation in Betracht zu ziehen.

Was viele nicht wissen: Auch vorbeugend kann Mediation helfen. So entscheiden sich z.B. immer mehr Paare, die sich scheiden lassen, frühzeitig für eine Mediation zur Regelung Ihrer Angelegenheiten - damit der Rosenkrieg erst gar nicht beginnt. Auch Familien, die die Pflege der Eltern im Alter regeln müssen, können durch eine Mediation Unterstützung und Entlastung erfahren.

Läuft bereits ein Gerichtsverfahren kann auch währenddessen eine Mediation begonnen werden.

 

Welche Vorteile hat Mediation gegenüber einem Gerichtsverfahren?

Gerichtsverfahren ziehen sich meist über Monate – nicht selten auch über Jahre. Mit Mediation ist es möglich, zeitnah passende Lösungen zu finden.

Die Beziehungen zwischen den Beteiligten können durch Mediation erhalten und verbessert werden. Manchmal ist auch eine friedliche Beendigung der Beziehung für die Beteiligten der beste Weg.

Eine Mediation ist in der Regel günstiger als ein Gerichtsverfahren, da die Gebühr nicht nach dem Streitwert berechnet wird, sondern nach der Anzahl der Stunden, welche die Mediatorin bzw. der Mediator mit dem Fall beschäftigt ist.

Mit Hilfe von Mediation sind individuelle und vielfältige Lösungen möglich, da nicht nur juristische Aspekte eine wichtige Rolle spielen, sondern auch wirtschaftliche Argumente und persönliche Bedürfnisse.

 

Wann ist der Gang vor Gericht dennoch der sinnvollere Weg?

Wenn keine Bereitschaft zu einem gemeinsamen Gespräch mehr besteht oder eine der Parteien auf ihr Recht pocht und nicht bereit ist, davon abzuweichen, ist der Gang vor Gericht der passendere Weg.

 

Was kostet Mediation?

Mediatoren verlangen in der Regel ein Honorar, das nach Stunden berechnet wird. Meistens variiert es je nach Komplexität des Falles und Anzahl der Beteiligten zwischen 150 und 300 Euro.

Was ist Co-Mediation?

Je nach Sachlage arbeiten Mediatoren auch zu zweit.

Dies hat den Vorteil, dass zwei Mediatoren den Verlauf des Verfahrens im Blick behalten und die Parteien vom Fachwissen und der Erfahrung von zwei Mediatoren profitieren. "Vier Augen und Ohren sehen und hören mehr als zwei", wie es so schön heißt. Mediationen mit  größeren Gruppen werden in der Regel von Mediatorenteams durchgeführt.

 

Wie finde ich einen geeigneten Mediator?

Einen geeigneten Mediator findet man über die Berufsverbände oder das Internet. Dabei sollte man beachten, dass der Begriff des Mediators rechtlich nicht geschützt ist. Es lohnt sich daher, nachzufragen, über welche Ausbildung der Mediator verfügt.

  

Haben Sie noch Fragen zu dem Artikel? Über Ihre Kommentare und Anregungen freue ich mich sehr! ?

Herzlichst,

Ihre Christina Wenz

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Wer schreibt hier??

Mediation Christina Wenz

Christina Wenz ist Mediatorin, Volljuristin und systemischer Coach. Nach langjähriger Tätigkeit im Notariat und in Führungspositionen an Universitäten ist sie in eigener Mediationskanzlei sowie als Coach tätig. Sie hilft ihren Kunden dabei, sich aus schwierigen Konflikt- und Lebenssituationen zu befreien und damit wieder mehr Wohlbefinden, Klarheit und ein entspannteres Leben zu erlangen.

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