Neue und interessante Fakten und Daten zu Mediation

Neue und interessante Fakten und Daten zu Mediation

Neue und interessante Fakten und Daten zu Mediation

In den letzten Tagen habe ich von zwei sehr interessanten Studien zum Thema Mediation gelesen. Zum Teil haben die Zahlen mich sehr überrascht, auch erfreut - manche der Zahlen haben mich aber auch betroffen gemacht. Daher habe ich den Entschluß gefasst, die Daten und Infos mal zu sammeln und Ihnen vorzustellen - und Ihnen natürlich auch meine Einschätzung dazu zu geben. 

Dann möchte ich als Erstes mal mit dem kürzlich erschienenen "Roland Rechtsreport 2016" beginnen. Für diese Studie wurden im November 2015 1.448 Personen der deutschen Wohnbevölkerung ab 16 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland unter anderem zum Thema Mediation befragt. Die interessantesten Ergebnisse möchte ich Ihnen kurz vorstellen:

- "68 Prozent der Befragten haben schon einmal von der Möglichkeit der Mediation gehört."

 

- "32 Prozent der Befragten haben noch nie von der Möglichkeit der Mediation gehört." 

 

- "83 Prozent der Personen mit einer höheren Schulbildung haben bereits von der Möglichkeit der Mediation gehört, von Personen mit mittlerer Schulbildung sind es 72 Prozent. Bei Personen mit einfacher Schulbildung ist das Verfahren weit weniger bekannt: Von ihnen hat bislang nur gut jeder Zweite vom Mediationsverfahren gehört."

 

- "Aktuell sind 48 Prozent der Bürger überzeugt, dass sich durch die Mediation viele Streitigkeiten beilegen lassen, 40 Prozent sind hingegen skeptisch."

 

- "55 Prozent von denen, die bereits von der Mediation gehört haben, glauben, dass sich durch die Mediation viele Streitigkeiten beilegen lassen."

 

Als Mediatorin, die sich tagtäglich intensiv mit dem Thema Mediation befasst, machen mich die extrem hohen Zahlen derer, die noch nie von Mediation gehört haben natürlich sehr betroffen. Ich kenne ähnliche Zahlen, aber wenn ich sie vor Augen habe, bin ich doch immer wieder überascht. Auch im Alltag begegnen mir regelmäßig Menschen, die im ersten Moment denken, ich biete Entspannungstechniken statt Konfliktlösungen an. Ich hoffe aber und bin davon überzeugt, dass sich dies im Laufe der Zeit zum Besseren verändern wird, da die großen Mediationsverbände, die Deutsche Stiftung Mediation und viele einzelne Mediatoren mit großem Engagement für wachsende Bekanntheit der Mediation eintreten. 

Da ich ja auch tagtäglich Zeugin davon werden darf, wie gut Mediation dazu beitragen kann, Konfliktsituationen zu entschärfen, würde ich mir natürlich auch wünschen, dass noch mehr Menschen an die Fähigkeiten von Mediation glauben würden. Hierbei ist auch zu beachten, dass Statistiken zufolge 80 Prozent der durchgeführten Mediationen erfolgreich sind. Ich finde, dass dies ein sehr beachtlicher Wert ist, aufrund dessen die Mediation durchaus etwas mehr Vertrauen verdient hätte ;-). 

Große Hoffnung setze ich übrigens auch in ein bisher bundesweit einmaliges neues Projekt, bei dem erstmals in Berlin neben der Prozeßkostenhilfe, die Bürger mit geringem Einkommen bei den Prozeßkosten unterstützt, nun auch die sogenannte "Mediationskostenhilfe" ins Leben gerufen wurde. Es wäre ein großer Meilenstein für die Mediation, wenn dies deutschlandweit Schule machen würde und Geringverdiener nicht nur beim Streiten vor Gericht, sondern auch beim friedlichen Konfliktlösen mit Hilfe des Mediators vom Staat finanziell unterstützt würden. 

 

Eine weitere gerade erschienene Studie ist die aktuellen Studie „Streitkulturindex für Unternehmen und Organisationen in Deutschland“ der Forschungsstelle für Wirtschaftsmediation der TH Köln in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaftsmediation und Kommunikationsmanagement (IWM) und der Frankfurter Wirtschaftskanzlei aclanz Rechtsanwälte. In der entsprechenden Pressemitteilung kann man erfahren: "an der Umfrage zum „Streitkulturindex für Unternehmen und Organisationen in Deutschland“ nahmen zwischen Februar und Juli 2015 rund 300 Führungskräfte aus nahezu alle Branchen gemäß der Klassifikation der Europäischen Gemeinschaft teil, die meisten aus Nordrhein-Westfalen. 45,6 Prozent waren kleine und mittlere Unternehmen bis 250 Mitarbeiter, 10,5 Prozent beschäftigen bis zu 500 Menschen, 43,9 Prozent über 500 Mitarbeiter. Befragt wurden die für dieses Themengebiet besonders qualifiziert erscheinenden Adressaten, wie Personalleiterinnen und -leiter, Leiterinnen und Leiter von Rechtsabteilungen sowie bei mittelständischen (Familien-)Unternehmen die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer bzw. Inhaberinnen und Inhaber."  Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen: 

 

- "Verfahren zur außergerichtlichen Streitbeilegung spielen für Unternehmen bei der Konfliktbewältigung eine wichtige Rolle und finden breite Anwendung. 44 Prozent nutzen Verhandlungen, 34 Prozent der befragten Unternehmen haben bereits eine Mediation beauftragt und 28 Prozent in eine Schlichtung eingewilligt. Nur 37 Prozent der Unternehmen haben noch keine Erfahrungen mit diesen und ähnlichen Verfahren gesammelt“, sagt Prof. Dr. Ricarda Rolf, Leiterin der Kölner Forschungsstelle für Wirtschaftsmediation."

 

- "Die Arbeit der Mediatoren bewerten 82,5 Prozent der Führungskräfte als sehr gut oder gut."

 

Diese Ergebnisse der Studie haben mich natürlich sehr gefreut, da sie zeigen dass die Mediation in Unternehmen schon recht etabliert ist. Ich mache auch die Erfahrung, dass in Unternehmen eine immer größere Offenheit der Mediation gegenüber besteht. Ohne das Ergebnis nun schlecht reden zu wollen, möchte ich jedoch noch das Folgende anmerken: Ich persönliche mache in meiner Mediationskanzlei oft die Beobachtung, dass Unternehmen viel zu lange warten, bis sie einen Mediator, beispielsweise in einem Teamkonflikt, einschalten. Oft ist dann der Konflikt schon höchst eskaliert und eine Mediation nur noch schwer und in manchen Fällen auch nicht mehr durchführbar. Ich würde mir daher in diesem Bereich noch wünschen, dass der Gang zum Mediator früher - im besten Fall präventiv erfolgt. 

Insgesamt hoffe und wünsche ich mir sehr, dass der Bekanntheitsgrad und das Vertrauen in die Mediation und uns Mediatoren künftig immer weiter ansteigen wird und dass die Nachfrage nach Mediation stetig steigt. Ich kann voller Überzeugung sagen: Ehe man einen Rechtsstreit beginnt, lohnt es sich immer, gründlich auch die Möglichkeit einer Mediation in Erwägung zu ziehen. Wann der Gang vor Gericht richtig ist und wann der Weg zum Mediator eingeschlagen werden sollte, können Sie übrigens in meinem Beitrag "Friedlich einigen oder der Gang zu Gericht" lesen. 

Ich hoffe, ich habe Sie mit all diesen Zahlen jetzt nicht komplett "erschlagen" und Sie sind dem Beitrag bis hierhin gefolgt. Nun würde mich Ihre Meinung nämlich auch noch sehr interessieren: Haben Sie die Zahlen überrascht, oder haben Sie mit diesen Ergebnissen gerechnet? Hand aufs Herz: Wie sieht es mit Ihrem Vertrauen in die Mediation aus? Waren Sie vielleicht sogar schon einmal an einer Mediation beteiligt? Über Ihre Antworten, Kommentare und Anregungen unter diesem Beitrag freue ich mich wie immer sehr! 

Herzlichst,

Ihre Christina Wenz

 

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Kommentare (8)

  1. Damaris:
    Mar 11, 2016 at 06:44 PM

    Liebe Christina,

    diese Zahlen sind tatsächlich erstmal erschreckend.
    Ich denke, dass die meisten Menschen, die noch nicht davon gehört oder gelesen haben, erstmal mit Meditation assoziieren. Das kennen doch sehr viel mehr...zumindest den Ausdruck.
    Als ich Anfang der 90er in einer Praxis arbeitete, wurde ich als "Anlaufstelle für innerbetriebliche Unstimmigkeiten" ;-) eingesetzt. Das zeigt mir wiederum, dass doch schon lange Zeit ein Wunsch nach Klärung oder sogar präventivem Einsatz da ist.
    Studie bleibt Studie und zeigt doch nie die wirklichen Zahlen.

    Gut, dass es Menschen wie dich gibt, die du dabei bist nach Außen zu gehen, Aufklärung zu betreiben, Fragestunden anzubieten etc.
    Würde mich heute einer nach einem Mediator fragen, würdest du mir als Erste in den Kopf springen, eben weil du dieses, doch sehr sensible Thema, so unkompliziert in die Welt trägst.

    Alles Liebe für dich
    Damaris

  2. Christina Wenz :
    Mar 11, 2016 at 07:01 PM

    Liebe Damaris, ich danke Dir von Herzen für Deinen Kommentar und für das wunderbare Kompliment. Ich freue mich sehr darüber! :-) Ich habe auch immer die Hoffnung, dass auch die "statistischen 32 Prozent" dann bei näherem Nachfragen doch wenigstens ansatzweise wissen, was unter dem "Begriff Mediation" zu verstehen ist. Ansonsten wäre der Prozentsatz doch wirklich sehr erschreckend.... Ich wünsche Dir ein wunderbares Wochenende und sende Dir liebe Grüße, Christina

  3. Olaf:
    Mar 19, 2016 at 07:05 PM

    Liebe Christina,
    interesanter Bericht. Er zeigt, das wir es auch nicht richtig gelernt haben, wertschätzend und besonnen miteinander zu kommunizieren.
    Es gibt viel Bewegung in der Mediationswahrnehmung. Vor wenigen Jahren wurden an der Schule meiner Kids. Sogenannte "Streitschlichter" wurden unter den Schülern ausgebildet. Das war damals ein sehr modernes und erfolgreiches Projekt, welches es heute noch gibt, und in vielen anderen Schulen auch "Schule macht " :D Heute heißes sie aber nicht mehr "Streitschlichter" sondern "Mediatoren" ... also, weiter so.... ;)
    Viele Grüße Christina

  4. Christina Wenz :
    Mar 19, 2016 at 07:14 PM

    Lieber Olaf, herzlichen Dank für Deinen Kommentar und den mutmachenden und wichtigen Aspekt. Das ist wirklich eine tolle Entwicklung ...Es könnte gut sein, dass die kommende Generation so auf gute Art und Weise in das Thema "hereinwächst". :-) Liebe Grüße, Christina

  5. Pierre Bravin:
    Mar 23, 2016 at 03:27 PM

    Liebe Christina herzlichen Dank für Deinen äusserst Interessanten Artikel. Ich hoffe, dass es auch bei uns in der Schweiz gelingen wird, die Mediation in Unternehmen und nicht nur dort, anwenden zu können. Das gute Arbeitsklima würde in vielen Unternehmen mit wenigen Mittel und Zeitaufwand gefördert werden, was sich in der "Produktion" auf allen Etagen und zwischenmenschlichen Beziehungen sehr positiv auswirken würde. on cordiali saluti, Pierre

  6. Christina Wenz :
    Mar 23, 2016 at 03:34 PM

    Lieber Pierre, herzlichen Dank für Deinen Kommentar, ich habe mich sehr darüber gefreut, dass mein Blog auch in der Schweiz gelesen wird! :-) Ich finde auch, dass Mediation sowohl in Unternehmen - aber auch im Privaten - so viel Gutes bewirken kann, man kann nicht genug darüber informieren! Beste Grüße aus der Pfalz, Christina

  7. Hans Steiner:
    Mar 26, 2016 at 03:56 PM

    Herzlichen Dank für die interessanten Zahlen - leider stelle ich in Praxis aber zunehmend fest, dass Medianden mt einer Konsum- und Lösungserwartungshaltung zu mir kommen, und wenn dann nicht schnell (und damit auch mit niedrigen Kosten) die zauberlösung geboten und geliefert wird, ziehen sich Viele zurück. Auch die Vergleichsbeispiele mit einem Prozesskostenrechner nutzen i.d.R. wenig, die Wertigkeit der Mediation wird einfach nicht hoch genug angsetzt. Kostet ein Prozess in der 1.Instanz mit Vergleich z.B. 35.000 € und man verlangt als Mediator die Hälfte, gilt man als Wucherer. Auch habe ich z.B. aufgehört. erstgespräche "kostenlos" anzubieten - zu oft wurden termine geacht, aber es kam dann niemand (kostet ja nix), oder es wurde versucht, ad hoc eine Ersteinschätzung zu "holen", und zahlen wollte man dann eh nichts... am Ende wurde ich in eine Fall sogar beschimpft, weil ich nach 60 Minuten keine weitere Beratung mehr vornehmen wollt, wenn nicht eine Zahlungsbereitschaft da sei... die Erstberatungsgebühr bei Anwälten hat also m.E. durchaus ihren Sinn, und ich für meinen Teil handhabe das auch so - was nichst kostet, ist nichts wert und ich denke, dass insgesamt aufgrund der Mediatorenschwemme sowieso ein ökonomisch unsinnigerPreiskrieg herrscht. Dazu kommen (nicht persönlich nehmen) die vielen juristischen/Anwaltsmediatoren, die doch oft vor dem Dilemma stehen, eine schecht bezahlte Mediation einer gut bezahlten Mandatierung vorziehen zu ...sollen?
    Zu guter Letzt mangelt es der mediation leider noch an Valu-Akzeptanz - wenn ich Medianden zwecks juristischer Beratung zu (ebenfalls mediativ eingestellten) Juristen zur Beratung schicke, sehe ich die nie wieder... die Akzeptanz des Anwaltsberufes ist immer noch weit höher, als die des Mediators und das wird sich auch so schnell nicht änern. Also - guter Wille und hoher Anspruch ist schön und ehrenhaft, ich bezweifle zunehmend die ökonomische Durchsetzbarkeit der Mediation, bzw es gelingt diese nur unter klarer Festlegung von Bedingungen - das wiederum lässt sich vor dem Hintergrund mediativer Grundparameter aber apodiktisch nicht durchsetzen, befürchte ich
    Gruß

  8. Christina Wenz :
    Mar 26, 2016 at 05:40 PM

    Sehr geehrter Herr Steiner, herzlichen Dank für Ihren offenen und wertvollen Kommentar! Ich stelle auch fest, dass in der Mediationsbranchen ein ziemliches Preisdumping herrscht. Viele Mediatoren bieten unsere wertvolle Leistung zu extrem geringen Preisen an, nur um irgendwie an Fälle zu kommen. Auch finde ich es sehr bedenklich, dass es z.B. Vereine gibt, die Mediation kostenlos anbieten. So wird meines Erachtens definitiv vermittelt, dass Mediation nichts wert ist und der "Mediationsmarkt" wird zerstört. Ich handhabe das mit dem kostenlosen Erstgespräch so, dass es die erste halbe Stunde des ersten Treffens ist, die dann relativ übergangslos in die Mediation übergeht, wenn die Bereitschaft zum Weitermachen besteht. So hatte ich glücklicherweise noch keine Absagen oder potentielle Kunden, die nicht kamen. Mit den besten Wünschen, Christina Wenz


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Mediation Christina Wenz

Christina Wenz ist Mediatorin, Volljuristin und systemischer Coach. Nach langjähriger Tätigkeit im Notariat und in Führungspositionen an Universitäten ist sie in eigener Mediationskanzlei sowie als Coach tätig. Sie hilft ihren Kunden dabei, sich aus schwierigen Konflikt- und Lebenssituationen zu befreien und damit wieder mehr Wohlbefinden, Klarheit und ein entspannteres Leben zu erlangen.

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