Wie wir mithilfe von Mediation gute Eltern blieben und Freunde wurden

Wie wir mithilfe von Mediation gute Eltern blieben und Freunde wurden

Wie wir mithilfe von Mediation gute Eltern blieben und Freunde wurden

Ein Gastbeitrag von Martina Schomisch

Eine einvernehmliche Scheidung kann gelingen - ja, es geht ohne Rosenkrieg, schmerzhafte Auseinandersetzungen und auch ohne langwierige Rechtsstreitigkeiten!

Mediation bei Trennung und Scheidung ist eine viel versprechende Chance, eine einvernehmliche Scheidung zu erreichen.

Sie glauben das nicht? Ich habe es auch nicht geglaubt!

Mein Name ist Martina Schomisch und ich unterstütze als Patchwork-Familien-Coach Paare schwierige Familien-Situationen und Trennungen zu meistern.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass eine einvernehmliche Scheidung ein Gewinn für alle Beteiligten ist.
Dabei war unsere eigene Situation alles andere als rosig - waren wir doch nach außen eine Bilderbuchfamilie. Alles schien prima zu laufen. Viel zu lange habe ich geschwiegen und gedacht: Das wird schon wieder! Und als ich den Entschluss zur Trennung endlich gefasst hatte, löste ich damit in unseren Familien einen Shitstorm aus, den ich niemandem wünsche.

Rückblickend erfüllt mich heute große Dankbarkeit darüber, dass mein Ex-Mann den Impuls zur Mediation gegeben hat und dass ich den Mut hatte mich darauf einzulassen.

Ich teile meine Erfahrungen mit Ihnen, weil unser Mediationsverfahren die allerbeste Erfahrung war, die wir während unserer schwierigen Trennung gemacht haben... und, weil ich sicher bin, dass noch immer viel zu wenige Menschen in schwierigen Trennungssituationen um das wundervolle Geschenk Mediation wissen.

Ich habe eine große Bitte an Sie, lieber Leser: Kennen Sie jemanden, der in einer schwierigen Trennung steckt? Bitte teilen Sie diesen Artikel!

2001 habe ich mich von meinen damaligen Mann getrennt. Unsere 3 gemeinsamen Kinder, waren zu diesem Zeitpunkt 8 Jahre, 5 Jahre und 2,5 Jahre.
In der Hoffnung noch etwas retten zu können, machte mein Mann in einer ziemlich angespannten Phase der nahenden Trennung den Vorschlag uns von einem unbeteiligten Mediator begleiten und unterstützen zu lassen.
Mein erster Impuls und auch meine Angst waren - nachdem ich die Trennung forcierte - als Schuldige und Hauptverantwortliche „abgestempelt“ zu werden. Nein, das wollte ich auf keinen Fall. Die Entscheidung für eine Trennung ist mir wahrlich nicht leicht gefallen, aber eine „Verurteilung“ brauchte ich nicht.
Auf Drängen und Bitten meines Mannes und (vor allem) zum Wohle unserer Kinder ließ ich mich (mit großen Vorbehalten) auf ein gemeinsames Erstgespräch mit dem Mediator ein. Denn eines war uns zu diesem Zeitpunkt bereits klar:

Wir sind zwar auf der Paarebene gescheitert, ABER auf der Elternebene werden wir, solange wir gemeinsame Kinder haben, IMMER verbunden sein!

Zu meinem großen Erstaunen ging es weder um Schuldzuweisungen, noch um Verurteilungen, sondern vielmehr um das Bestreben nach Fairness.
Unser erklärtes Ziel war eine einvernehmliche Einigung! Wir haben sehr sachlich und in einer guten Atmosphäre für uns beide, gemeinsam mit dem Mediator eine tragfähige Grundlage erarbeitet, für den zukünftigen Umgang miteinander und für die gemeinschaftliche Verantwortung für unsere Kinder.
Was hier sehr rational klingt, war in der Praxis alles andere als das. Im Mediationsverfahren begegneten uns sehr viele alte Verletzungen, Schuldzuweisungen und lange vergrabene Themen, die wir alleine möglicherweise niemals bearbeitet hätten. Nach und nach wurde uns beiden klar, warum unsere Ehe gescheitert ist und jeder von uns konnte seinen Anteil erkennen.

Folgende Themen wollten wir im Mediationsverfahren klären:

• Sorgerechtsfragen – wir wollten eine verbindliche Lösung zu Betreuungszeiten und Wochenendregelungen
• Ehegattenunterhalt
• Klarheit über einen Zugewinnausgleich und Aufteilung der Vermögenswerte
• Ausgleich für unser Haus, in dem ich mit den Kinder wohnen blieb

Als alle Punkte für uns zufriedenstellend geklärt waren, wurde das Ergebnis in einer gemeinsamen Trennungs- und Scheidungsvereinbarung zusammengefasst, die Grundlage für die gerichtliche Scheidung war. Dadurch wurde das Gerichtsverfahren erheblich verkürzt und die anfallenden Kosten gesenkt.
Außerdem haben wir so nicht dem Gericht die Entscheidungen über die Folgen unserer Trennung überlassen.

Mein Ex-Mann und ich haben während des Mediationsprozesses eine gute Konfliktlösungsfähigkeit entwickelt und sehr viel Eigenverantwortung erlernt, was dazu geführt hat, dass wir seit dem konstruktiv, kreativ und eigenverantwortlich Lösungen finden können.
Das kommt uns vor allem in Situationen zugute, in denen jeder sein Recht in Anspruch nehmen will, wie z.B. bei der Feiertags- und Ferienplanung, die in Trennungsfamilien für ein gewaltiges Stresspotential sorgen kann. Hilfreich sind diese Fähigkeiten besonders auch dann, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind in Erziehungsfragen oder anderen - die Kinder betreffenden - Themen.

Wenn Sie noch miteinander reden können, haben auch Sie eine gute Chance, dass auch Ihre Scheidung ohne (Rechts)-Streit gelingen kann!


Jedes Problem birgt die Chance auf eine Lösung.

Dafür jedoch ist es wichtig die Probleme von gestern zu klären, damit diese Sie nicht tagtäglich vom Leben abhalten. Ansonsten führt das Verhaftet sein an Problemen aus der Vergangenheit zu einem Engpass in Ihrem Leben, über den Sie vermutlich noch nicht nachgedacht haben, denn:

Das Denken und Grübeln über Probleme aus der Vergangenheit verhindert das Handeln in Lösungen für die Zukunft!

Vielleicht kennen Sie das: Sie wachen morgens schon mit dem Gedanken an Ihre Probleme von gestern, vorgestern oder letzter Woche auf. Den ganzen Tag lassen diese Gedanken Sie nicht los - welch ein kräftezehrendes, permanentes Kreisen um die ewig gleichen Themen.
Über Ihre Kinder sind Sie permanent mit Ihrem Ex-Partner, den Sie nicht mehr lieben oder von dem Sie verlassen wurden, verbunden... und wegen der Kinder ist kein „Entkommen“ möglich. Deshalb ist es von immenser Wichtigkeit diese Beziehung zum Wohle Ihrer Kinder und vor allem zu Ihrem eigenen Wohl zu klären.

In der Praxis erlebe ich immer wieder, dass der eine oder andere Partner in einer Patchwork-Konstellation noch in einer alten Beziehung verhaftet ist, oder ständig Stress mit dem Ex-Partner hat und sich darüber wundert, dass die neue Beziehung nicht wirklich eine reelle Chance hat. Viele Patchwork-Beziehungen scheitern aus diesem Grund wieder.

Meiner Meinung nach kann Mediation dazu beitragen, dass die Partner nach der Trennung ihre Beziehung klären und eigenverantwortlich auf Paarebene Verantwortung übernehmen. Die Übernahme der Eigenverantwortung führt dann dazu, dass jeder Partner für sich be-frei-t eine neue Beziehung eingehen kann.


Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.

Diese Lebensweisheit kenne ich schon sehr lange, aber gefühlt verstanden habe ich sie erst heute... und so kann ich jetzt - beinahe 15 Jahre danach - sagen, die Entscheidung zur Mediation war die wertvollste, die mein Mann und ich während der Trennung treffen konnten.
Aus meiner Sicht ist eine Mediation die beste Voraussetzung für die Jahre nach Trennung und Scheidung!

Mediation ist dann ein guter Weg für Paare, die vor einer Trennung stehen, wenn:

• beide Partner über ein Mindestmaß an Gesprächsbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit verfügen

• beide die Bereitschaft haben, sich auf einen möglicherweise schwierigen Prozess einzulassen

• beide Partner nicht ausschließlich in Problemen denken, sondern eher in Lösungen handeln wollen

• kompromissbereit sind und auf einander zugehen wollen

• Und denken Sie immer daran: Mediation geht nur gemeinsam!

Mediation ist ein Geschenk, vor, während und nach einer Trennung.

Die größte Herausforderung für Eltern mit Kindern, ist es wohl nach der Trennung von der Paarebene auf die Elternebene zu gelangen.
Solange auf der Paarebene Verletzungen, Schmerzen und nicht-ausgesprochene Worte die Gefühle von einem oder sogar beiden Partnern dominieren, ist es sehr schwierig den Kindern auf Elternebene ein lösungsorientiertes Miteinander vorzuleben.
Gegenseitige Schuldzuweisungen, Rosenkriege und das Austragen der Paarkonflikte über die beteiligten Kinder ist dann leider häufig gelebte Praxis.

Ich bin davon überzeugt, dass die allermeisten Eltern das Beste für Ihre Kinder wollen. Aufgrund vieler Probleme und Herausforderungen im Zuge ihrer Trennung sind viele Paare jedoch alleine überfordert, hier kann ein Mediationsverfahren Klarheit bringen und die Konfliktlösungsfähigkeit der Partner stärken.

Die Ergebnisse eines Mediationsprozesses sind dann gut, wenn beide Partner sie als fair und stimmig erleben und Entscheidungen für die Kinder und nicht über sie getroffen werden.
Das wiederum ist eine Voraussetzung, wenn Kinder wirklich seelisch und emotional gesund durch eine Trennungserfahrung gelangen sollen.

Mediation ist lohnendes Investment in die Zukunft - die eigene, die des Ex-Partners (auch wenn das viele getrennte Partner erst einmal wenig interessiert) und vor allem in die Zukunft der gemeinsamen Kinder!
Mit Hilfe der Mediation kann an die Stelle von Streit, permanentem Stress und Auseinandersetzungen, Wertschätzung, Dankbarkeit und vielleicht sogar Freundschaft mit dem Ex-Partner treten. Es geht... und es lohnt sich!


Über die Autorin dieses Gastbeitrages:

Martina Schomisch ist Patchwork-Familien-Coach und unterstützt Paare schwierige Familien-Konstellationen und Trennung zu meistern.
In Kürze erscheint ihr zweites Buch: „Starke und lebensfrohe Trennungskinder. Das Mut-mach-Buch für getrennte Eltern.“

„Die gute Nachricht ist: Es gibt sie, die starken und lebensfrohen Trennungskinder. Es gibt sogar Kinder, die gestärkt aus der Trennung ihrer Eltern hervorgehen. Aber, und das erlebe ich tagtäglich in der Arbeit mit Familien und Patchwork-Familien im Rahmen meines Projekts: „Patchwork-Familien-stärken“, es sind Ausnahmen.

In diesem Buch zeige ich Dir und Deinem Ex-Partner, dass Eltern-sein Freude machen kann und Euren Kindern zugutekommt, auch wenn Eure Paar-Beziehung gescheitert ist. Dabei geht es hauptsächlich um die Auswirkungen einer Trennung der Eltern auf die beteiligten Kinder.“

Weitere Informationen finden Sie hier: www.patchworkcoach.de

  

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Kommentare (2)

  1. Axel:
    Apr 17, 2016 at 06:06 PM

    Liebe Martina,

    ein wertvoller Beitrag, der vielen Betroffenen helfen kann, unnötigen Streit zu reduzieren.

    Toll finde ich vor allem, dass du aus der Mediation für dein eigenes Konfliktverhalten gelernt hast. Da hüpft mein Trainerherz. Denn genau das bei vielen Menschen zu erreichen, ist meine Mission.

    Viele liebe Grüße

    Axel

  2. Martina Schomisch:
    Apr 25, 2016 at 11:01 AM

    Hallo Axel,

    DANKE für Deine Rückmeldung. Genau das ist meine Intention, vielen Betroffenen zu zeigen: Es geht auch friedlich!
    Mir ist dabei sehr bewusst, dass dies Einsatz und Bereitschaft zur Einigung bedarf. Der Gewinn ist soviel mehr Lebensqualität durch Frieden und "Freundschaft"- für alle Beteiligten.
    Ich wünsche Dir, dass Du genau diese Veränderung bei vielen Menschen bewirken kannst.
    Herzliche Grüße
    Martina


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Wer schreibt hier?

Mediation Christina Wenz

Christina Wenz ist Mediatorin, Konfliktcoach und Juristin. Nach langjähriger Tätigkeit im Notariat und in Führungspositionen an Universitäten ist sie in eigener Mediationskanzlei tätig. Sie hilft ihren Kunden dabei, sich aus schwierigen Konfliktsituationen zu befreien und damit wieder mehr Wohlbefinden und ein entspannteres Leben zu erlangen. Neben Mediation in der Familie und der Mediation in der Arbeitswelt ist ihr besonderes Steckenpferd die Mediation bei Streitfällen rund ums Tier.

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