Heute mal ganz konfliktfrei: Von bewegenden Begegnungen mit Engeln des Alltags

Heute mal ganz konfliktfrei: Von bewegenden Begegnungen mit Engeln des Alltags

Auf meinem Blog schreibe ich ja viel über Konflikte...aber auch über die Beziehungen zwischen Menschen und wie man sie verbessern kann. So kurz vor Weihnachten möchte ich den Themenbereich mal ein klitzekleines bisschen ausweiten. Ich möchte über Begegnungen mit Menschen schreiben, die mich sehr inspiriert und bewegt haben. Ich dachte mir, so kurz vor Weihnachten kann es auf meinem Blog doch auch mal um rein positive und konfliktfreie Situationen gehen ;-) - Über Menschen, die aus heiterem Himmel auftauchen und uns in der Not zur Seite stehen, um Begegnungen mit "rettenden Engeln" im Alltag. 

Die Idee zu diesem Beitrag kam mir vor einigen Tagen, weil sich immer wieder eine Begegnung in meine Gedanken schlich: Ich war Anfang Dezember einen Tag lang in Köln. Kurz vor der Abreise huschte ich kurz noch einmal in die Innenstadt, um eine Besorgung zu machen. Meinen Hund hatte ich im Kombikofferraum sitzen. Nachdem ich gefühlte Stunden einen Parkplatz gesucht hatte, hatte ich mein Auto endlich abgestellt und rauschte voller Eile an den Kofferraum um meinen Hund aussteigen zu lassen. Vor lauter Schwung glitt mir beim Öffnen des Kofferraumdeckels der Schlüssel aus der Hand und flog im hohen Bogen - wie sollte es in der Eile auch anders sein ;-) - mitten unter das große Auto hinter mir. Sofort kam eine sympathische Dame herbei und bot mir ihre Hilfe an. Wir mussten jedoch schnell feststellen, dass wir nicht an den Schlüssel herankamen. Es stellte sich ein Gefühl der leichten Verzweiflung und Ratlosigkeit ein und die Dame suchte hilflos das Weite. 

Es dauerte allerdings gar nicht lange, da kam ein junger Mann herbeigeeilt mit den Worten "Ich habe lange Arme und kann helfen!". Schwupps hatte er mir ein Geschenk in die Hand gedrückt, das er wohl gerade erstanden hatte, schon lag er neben meinem Auto auf dem Bürgersteig und stocherte mit den Armen unter dem Auto herum. Zwischenzeitlich spang dann noch mein -zugegebenermaßen großer- Hund aus dem Auto und der junge Mann meinte recht erschrocken: "Oh, das ist aber ein großer Hund!". Er ließ sich jedoch weder von Hund noch von der Kälte abhalten und blieb auf dem Bürgersteig liegen und angelte weiter nach dem Schlüssel.

Zum Glück dauerte es nicht lange und er war erfolgreich und drückte mir strahlend meinen Schlüssel in die Hand. Zu meinem großen Bedauern konnte ich mich nur kurz bedanken und während ich meinen Hund zurück in den Kofferraum lud, war der junge Mann schon um die nächste Ecke verschwunden. Zu gerne hätte ich ihm nochmal ausführlicher meinen herzlichen Dank ausgesprochen, denn für mich war er in diesem Moment wirklich ein rettender Engel! 

Auf der Heimfahrt dachte ich viel über die Situation nach und mir fielen viele Begegnungen und Situationen ein, in denen mir in meinem Leben wildfremde Menschen ohne zu zögern voller Güte geholfen hatten. 

Mir fiel etwa eine Situation ein, in der sich eine Freundin von Herzen einen Spiegel mit einer ganz besonderen Inschrift wünschte. Sie hatte den Spiegel bei Facebook auf der Seite eines schweizer Dekorationsladens gesehen. Ich merkte, dass dieser Spiegel ihr ganz viel bedeutete und wollte ihn ihr unbedingt schenken. Also rief ich in dem Laden an um den Spiegel zu besorgen. Leider versandte der Laden jedoch keine Ware nach Deutschland. Man bot mir allerdings an, den Spiegel an eine schweizer Adresse meiner Wahl zu senden. Mir fiel jedoch leider kein Schweizer ein, der mir hätte helfen können und ich plante auch keine Reise in die Schweiz.

Also fragte ich in einfach einmal in einer sehr aktiven kleinen Facebookhundegruppe nach, ob es nicht jemand in der Schweiz gäbe, der mir weiterhelfen könne. Es meldete sich tatsächlich eine Dame, die mir bisher in der Gruppe nicht aufgefallen war. Sie kam aus Deutschland, war jedoch beruflich manchmal in der Schweiz. Und so kam es, dass diese nette Dame organisierte, dass der Spiegel an eine schweizer Arbeitskollegin von ihr geschickt werden konnte. Als sie selbst dann einige Zeit später in die Schweiz fuhr, brachte sie den Spiegel mit nach Deutschland und schickte ihn mir....Ich konnte dann den Spiegel verschenken und damit einen mir sehr am Herz liegenden Menschen sehr, sehr glücklich machen. Dieser Spiegel war schon allein durch seine "Reisegeschichte" etwas ganz Besonderes, fand ich! 

Eine andere Situation, die mir einfiel, spielte sich zu meiner Studienzeit in Schottland ab: Ich umrundete mit ein paar anderen Studenten eine kleine Insel namens "Arran" mit dem Fahrrad. Am zweiten Tag kamen wir totmüde nach langer Tour an unserem Ziel an und suchten nach einer Unterkunft. Eigentlich wollten wir auf einem günstigen Campingplatz übernachten, der jedoch unerwartet geschlossen hatte. Für eine Übernachtung in einem "Bed and Breakfast" hatten wir nicht mehr genug Geld dabei und in dem winzigen Ort war weit und breit kein Geldautomat zu finden. Wir sahen uns schon im Straßenrand schlafen!

In unserer Verzweiflung klingelten wir zu viert bei einem "Bed and Breakfast" und erklärten unsere Lage: Wir hatten kein Geld und suchten eine Unterkunft, die wir erst anschließend per Überweisung bezahlen könnten. Sofort ließ uns die nette mütterliche Dame eintreten und gab zweien von uns ihr letztes freies Zimmer. Dann rief sie eine Freundin an, die ebenfalls ein "Bed and Breakfast" führte und erklärte unsere Lage. Auch diese Dame war sofort bereit zu helfen. Also schwangen wir uns nochmal aufs Rad und fuhren zu zweit zur Unterkunft. Als wir ankamen sahen wir, wie die Dame gerade ein sehr vornehmes Paar im eleganten Auto abwies und ihnen erklärte, sie hätte kein Zimmer mehr frei. Ihr letztes gab sie uns - ohne uns zu kennen oder zu wissen, ob sie jemals von uns Geld bekommen würde. Auch sie war ein rettender -wildfremder Engel- in der Not.

Mir würden noch viele solcher Situationen einfallen, all diese Situationen habe ich nie vergessen und sie bedeuten mir noch heute viel und sie berühren mich sehr! Für mich ist es immer wieder wie ein kleines Wunder, wenn wildfremde Menschen völlig selbstlos zur Hilfe eilen - und das ohne zu zögern. Diese Güte finde ich einfach absolut umwerfend!

Beruflich bedingt bin ich definitiv ein Freund von Konflikten und finde auch, dass man in Konflikten immer eine Chance sehen sollte. Konflikte sind eine Triebfeder für sehr viel Positives, für Veränderung zum Guten. Dennoch finde ich, dass es gerade in Zeiten, in denen wir vielleicht selbst in schwierigen und belastenden Konflikten stecken oder viele Konflikte in unserem Umfeld herrschen und man gerade mal wieder das Gefühl hat, dass die Welt nur aus Konflikten, Zorn, Mißtrauen, Hass usw. besteht, guttut, sich auf solche positiven Momente im Leben zu besinnen- auf solche berührenden Momente voller Güte und Hilfsbereitschaft. Darauf, dass es Menschen gibt, die aus heiterem Himmel auftauchen und uns selbstlos in einem Moment der Not zur Seite stehen und uns nicht alleine mit unseren Problemen lassen. Ich bin mir sicher, dass in uns allen diese Güte steckt...Ja, auch in Ihrem gerade verhassten Konfliktgegner ;-).  Manchmal hilft es einfach, sich vor Augen zu halten, dass auch der, mit dem wir gerade streiten nicht nur schlechte Seiten hat. Vielleicht hat auch derjenige Ihnen schon selbstlos zur Seite gestanden? Aber ich drifte gerade zum Thema "Konflikte" ab - und das möchte ich hier ja gerade nicht ;-)! 

Ziel dieses Beitrags ist ein anderes: Ich würde mich riesig freuen, wenn es mir gelingen würde, Sie mit diesem Artikel zu inspirieren und an Momente voller Güte und Hilfsbereitschaft in Ihrem Leben zu erinnern. Oder an Momente, in denen Ihnen wildfremde Menschen voller Selbstlosigkeit zur Seite gestanden haben. Ich bin mir sicher, es gibt auch in Ihrem Leben diese Momente, diese kurzen Begegnungen voll Hilfsbereitschaft, die einen noch Jahre später berühren.

Vielleicht gelingt es mir ja auch, Sie zu motivieren, selbst mal wieder der rettende Engel für einen Menschen in Not zu sein, auch das würde mich riesig freuen! Ich nehme mir auf jeden Fall für die Zukunft vor, die Augen noch mehr offenzuhalten nach Menschen, die einen "rettenden Engel in der Not" benötigen.

Wo gab solche Helfer in Ihrem Leben? Und wo waren Sie selbst schon ein Retter? Es wäre mir eine große Freude, wenn Sie diese Momente mit mir und den anderen Lesern in den Kommentaren teilen würden. Oder vielleicht haben Sie ja sogar Lust, einen Blogartikel zu dem Thema zu schreiben und ihn hier im Kommentar zu verlinken? 

Über fleißiges Teilen und Kommentieren des Beitrages würde ich mich sehr freuen. Vielleich kommen Sie sogar auch Köln, dann bitte ich Sie diesen Beitrag unbedingt zu teilen - vielleicht finden wir ja meinen "Kölner Engel" auf diesem Weg und ich kann mich endlich aufrichtig bedanken :-). 

Herzlichst,

Ihre Christina Wenz

 

 

 

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Kommentare (2)

  1. Katja Keil:
    Dec 21, 2017 at 10:58 PM

    Mir sind schon sehr oft solche "Alltagsengel" begegnet...z.B. wenn ich mit meinem Vater unterwegs war - eigentlich konnte er kaum noch gehen, aber er wollte es immer versuchen und ich konnte es ihm nicht abschlagen. Wenn wir also losmarschiert sind und er es dann tatsächlich die letzten Meter bis zum rettenden Auto nicht mehr geschafft hat und ich ihn kaum noch halten konnte, kam IMMER jemand der geholfen hat - immer fürsorglich, immer respektvoll zu diesem alten Menschen...und völlig spontan. Keiner hat vorher überlegt, ob es zu schwer ist, ob er Zeit verliert, oder etwas dafür bekommt oder so....und wenn wir den Kreis zum Konflikt wieder schließen - mancher macht es einem nicht leicht, dran zu glauben, aber im Grunde unseres Herzens sind wir alle gut.

  2. Christina Wenz:
    Dec 21, 2017 at 11:03 PM

    Liebe Katja, ich danke Dir von Herzen für Deinen wertvollen und bewegenden Kommentar! Er hat mich sehr berührt! Vielen, vielen Dank! Wie gut, dass immer schnell rettende "Alltagsengel" an Eurer Seite waren! Das zeigt mir, wie viele es von ihnen gibt und das tut gut! Ich wünsche Dir eine schöne Weihnachtszeit und sende Dir liebe Grüße, Christina


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Wer schreibt hier?

Mediation Christina Wenz

Christina Wenz ist Mediatorin, Konfliktcoach und Juristin. Nach langjähriger Tätigkeit im Notariat und in Führungspositionen an Universitäten ist sie in eigener Mediationskanzlei tätig. Sie hilft ihren Kunden dabei, sich aus schwierigen Konfliktsituationen zu befreien und damit wieder mehr Wohlbefinden und ein entspannteres Leben zu erlangen. Neben Mediation in der Familie und der Mediation in der Arbeitswelt ist ihr besonderes Steckenpferd die Mediation bei Streitfällen rund ums Tier.

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